Die Sozialarbeit ist durch die gesellschaftlichen Entwicklungen gefordert und in ständigem Wandel, besonders jetzt im Zusammenhang mit der Pandemie. „Unsere Studiengänge an der Fakultät für Bildungswissenschaften reagieren darauf, indem wir die Forschungsausrichtung stärken, auf die Erfahrungen der lokalen Dienste eingehen und innovative Ausbildungselemente in den Curricula ausbauen”, betont Urban Nothdurfter, Professor für Sozialarbeit und Sozialpolitik und Leiter des Studiengangs Sozialarbeit.

In Südtirol gibt es derzeit 368 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Viele von ihnen haben an der Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen den Bachelor in Sozialarbeit (der zur Staatsprüfung für das Berufsverzeichnis B berechtigt) oder den Master Innovation in Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit (als Voraussetzung für das Berufsverzeichnis A) absolviert. Sie alle arbeiten nun in verschiedenen öffentlichen und privaten Sozialdiensten des Landes. Der 16. März ist der Welttag der Sozialarbeit, Anlass für Sozialarbeiter auf der ganzen Welt ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Unter dem diesjährigen Motto „Ubuntu - Ich bin, weil wir sind” will die Berufsgemeinschaft die Bedeutung von Solidarität und Zusammenarbeit in diesen schwierigen Zeiten unterstreichen.

„Diese Pandemie hat die Welt verändert. Das vergangene Jahr hat die sozialen Ungleichheiten, die schon vor der Pandemie vorhanden waren, deutlich verschärft”, sagt Prof. Urban Nothdurfter, Leiter des Studiengangs Sozialarbeit. „Wir sind eben nicht alle in gleicher Weise betroffen. Diejenigen, die bereits Probleme hatten und an den Rändern der Gesellschaft standen, spüren die Auswirkungen ungleich mehr im Vergleich zu denen, die vorher kaum sozialen, wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Problemen und Risiken ausgesetzt waren.” Nothdurfter nimmt den Welttag zum Anlass, die Bedeutung der Sozialarbeit zu unterstreichen. „Die vorherrschende Frage des Gesundheitsschutzes ist mit sozialen Fragen eng verknüpft”, kommentiert Nothdurfter. „Das Sozialwesen arbeitet eng mit dem Gesundheitswesen zusammen und spielt eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Absicherung und Unterstützung benachteiligter Gruppen. Für die Gestaltung eines integrierten Systems sozialer Dienstleistungen ist die Sozialarbeit eine Schlüsselprofession.”

Professor Urban Nothdurfter, Leiter des Studiengangs Sozialarbeit an der unibz

Angesichts neuer Herausforderungen, wie sie mit dem Coronavirus auftauchten - zunehmende Armut und Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Depressionen, Gewalt in der Familie und die unvermeidliche Distanz zu Nutzern der sozialen Dienste - muss sich die Sozialarbeit anpassen und weiterentwickeln, um den veränderten Bedürfnissen gerecht zu werden. Wie in vielen anderen Bereichen hat die Pandemie zu einer beschleunigten Veränderung der Praxis geführt. „Wir sind dabei, unsere Studierenden entsprechend zu professionalisieren und sie mit innovativen Ansätzen und Methoden auf den neuesten Stand zu bringen, welche sich in der Praxis bereits als nützlich erwiesen haben”, erklärt der Studiengangsleiter. „So haben wir zum Beispiel bewährte Praktiken in einer Reihe von virtuellen Besuchen in sozialen Diensten vorgestellt und eine Lehrveranstaltung zum Einsatz digitaler Kommunikationstechnologien in der Sozialarbeit entwickelt, welche zum Beispiel sehr hilfreich sind, um den Kontakt zu gefährdeten Jugendlichen während der Lockdowns nicht völlig zu verlieren. Natürlich müssen wir auch die digitale Kluft im Auge behalten, die diejenigen ausschließt, die mit digitalen Medien nicht so gut umgehen können, vor allem ältere Menschen. Als Vertreter des Fachbereichs Sozialarbeit wollen wir auch weiterhin unseren Beitrag zur Entwicklung innovativer Antworten auf die sozialen Bedürfnisse der Menschen im Land leisten, in Zusammenarbeit mit den sozialen Diensten und den sozialpolitischen Akteuren Südtirols.“

„Wir sind eben nicht alle in gleicher Weise betroffen. Diejenigen, die bereits Probleme hatten und an den Rändern der Gesellschaft standen, spüren die Auswirkungen ungleich mehr im Vergleich zu denen, die vorher kaum sozialen, wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Problemen und Risiken ausgesetzt waren.”

Vor kurzem haben zwei von den lokalen Diensten freigestellte Sozialarbeiterinnen ihren Dienst als akademische Tutorinnen für Sozialarbeit an der Fakultät angetreten. Sie begleiten die Studierenden des zweiten und dritten Studienjahres in ihrem Praktikum und sind auch darüber hinaus wichtige Mitarbeiterinnen, um eine kontinuierliche Kommunikation zwischen der Universität und der Praxis vor Ort sicherzustellen.

Anerkennung für diese Investition in die Ausbildung und die Zusammenarbeit mit der Praxis kommt auch von der Vertretung der Berufsgemeinschaft. „Ich freue mich sehr über die gute Zusammenarbeit zwischen Universität und Berufsgemeinschaft”, betont Angela Rosignoli als Präsidentin des Regionalen Kammerrates, „zumal wir in Südtirol noch Nachholbedarf haben, was die Anerkennung und adäquate Kommunikation der Berufsgruppe und ihres Potenzials für den Aufbau und die innovative Entwicklung des Sozialen betrifft.”

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