Ob man sich omnivor, vegetarisch oder vegan ernährt, ist fast zur Glaubensfrage geworden. Dabei kann man sich den drei Ernährungsweisen auch wissenschaftlich nähern. Genau dies hat Prof. Marco Gobbetti, Ordinarius für Agrarmikrobiologie an der Freien Universität Bozen, in einem groß angelegten Forschungsprojekt getan – mit überraschenden Ergebnissen.

Nicht weniger als zehn Universitäten waren an der Studie beteiligt, in der die Auswirkungen der Ernährung auf Umwelt und Gesundheit untersucht wurden. Auf dem Prüfstand standen die omnivore Ernährungsweise, jene also, in der Lebensmittel pflanzlichen und tierischen Ursprungs gleichermaßen verzehrt werden, die vegetarische, die auf Fleisch verzichtet, sowie die vegane, in der allein Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs zum Einsatz kommen.

Die Basis des Forschungsprojekts bildeten 160 Probanden in unterschiedlichen Regionen Italiens, die sich bereit erklärt hatten, einerseits genaue Ernährungs-Tagebücher zu führen, andererseits regelmäßig biologische Proben abzugeben, die von den Wissenschaftlern untersucht werden konnten. „Es war ein riesiger Aufwand, der sich allerdings gelohnt hat“, sagt Prof. Gobbetti, der auf nicht weniger als 15 Publikationen in Fachzeitschriften verweist, die aus dem Projekt entstanden sind. Und auf einige grundlegende Erkenntnisse, die aus ihm hervorgegangen sind.

Hauptsache Mittelmeerdiät
Die erste: Für die Darmflora spielt es kaum eine Rolle, ob man sich nun omnivor, vegetarisch oder vegan ernährt, sehr viel wichtiger ist, sich an die so genannte Mittelmeerdiät zu halten. „Unsere Studie hat gezeigt, dass die Zahl der nützlichen Mikroorganismen im Darm umso höher ist, je stärker man sich nach der Mittelmeerdiät ernährt“, erklärt der aus Perugia stammende, seit Anfang des Jahres in Bozen lehrende Mikrobiologe. Weil der Schwerpunkt der Mittelmeerdiät auf Gemüse, Salat, Obst, Fisch und der Verwendung von Olivenöl liege, während wenig rotes Fleisch konsumiert werde, sei es für Vegetarier und Veganer einfacher, die Ernährungsvorgaben zu erfüllen. „Aber auch ein Omnivorer kann es schaffen und profitiert dann genauso von den Vorteilen dieser Diät“, so Gobbetti.

„Müssen Mikroorganismen gut behandeln“
Eine zweite wichtige Erkenntnis der Studie ist ebenfalls mikrobiologischer Natur: „Ernährt man sich vegetarisch oder vegan, bekommen die Mikroorganismen in unserem Darm mehr zu tun, sie sind aktiver und produzieren mehr Enzyme“, erklärt der Studienleiter. Enzyme fördern wiederum den Stoffwechsel und stärken das Immunsystem, tragen also wesentlich zu unserer Gesundheit bei. „Die grundlegende Erkenntnis unserer Studie liegt darin, dass die unterschiedlichen Ernährungsweisen keinen Einfluss auf die Art der Mikroorganismen in unserem Darm haben, sehr wohl aber auf deren Aktivität“, so Gobbetti. Und weil eine funktionierende Darmflora ein wichtiger Baustein des Immunsystems sei, müsse man diese im Auge behalten: „Wir müssen die Mikroorganismen in unserem Darm gut behandeln“, so Gobbettis Fazit. Vor diesem Hintergrund punkten demnach die vegetarische und vegane Ernährungsweise.
Mikrobiologisch untersucht wurde zudem, ob die Ernährungsweise Einfluss auf die Anzahl der Mikroorganismen hat, die über die Nahrung lebend unseren Darm erreichen. Die Antwort darauf ist: kaum. „Die Mikroorganismen, die wir über das Essen zu uns nehmen, erreichen nur selten den Darm“, so der Professor. Am ehesten hätten sie aber eine Chance, wenn sie über vegetarische Produkte in unseren Magen gelangten. „Am besten funktioniert es übrigens mit fermentierten Lebensmitteln, etwa Joghurt oder Käse“, erklärt Gobbetti.

Der ökologische Fußabdruck
Gegenstand der groß angelegten Studie war übrigens nicht nur der Mikro-, sondern auch der Makrobereich. So hat man neben den Auswirkungen der Ernährungsweise auf unseren Körper auch jene auf die Umwelt untersucht. Wie zu erwarten, ist die omnivore Ernährung dabei jene, deren ökologischer Fußabdruck der mit Abstand größte ist. Überraschender ist da schon das Ergebnis, dass vegane und vegetarische Ernährung sich in Sachen Umweltauswirkungen kaum voneinander unterscheiden. Und noch überraschender: „Innerhalb der veganen Ernährungsweise gibt es enorme Bandbreiten, was die Umwelt-Auswirkungen betrifft“, sagt Gobbetti. „Sie reichen von überaus geringen Folgen bis zu solchen, die sogar jene einer omnivoren Ernährung übertreffen.“

Auf die Frage, wovon dies abhänge, antwortet der Professor lapidar: „Von den Lebensmitteln, die man zu sich nimmt.“ Heißt im Klartext: Veganer, die auf Lebensmittel setzen, die einen hohen Verarbeitungsgrad aufweisen und aus entfernten Weltgegenden importiert werden müssen, hinterlassen einen vergleichsweise großen ökologischen Fußabdruck, solche, die darauf verzichten, einen sehr kleinen. „Im Durchschnitt sind die Umweltauswirkungen aber kleiner als bei einer omnivoren Ernährung“, so Gobbetti.
Die Ergebnisse der Studie haben in Wissenschaftskreisen für viel Aufmerksamkeit gesorgt, der Zugang zu europäischen Netzwerken falle nun leichter, sagt der Professor. Und: „Es würde mir gefallen, dieses Projekt in Südtirol weiterzuführen, auch weil es hier einige sehr fähige Kollegen gibt.“

Related Articles

Interview
Die Wundermaschine

Der terraXcube simuliert Höhen bis zu 9000 Meter, Temperaturen von -40 bis +60 Grad, extreme Stürme, Regen und Schnee. Als Extremklimasimulator soll er den Forscher zum entscheidenden Durchbruch in der Höhenmedizin verhelfen. Interessant ist das einzigartige Labor aber auch für Studien im Bereich Klimawandel oder Umwelt, und natürlich für die Privatindustrie, wenn es darum geht, Produkte wie Bekleidung oder Fahrzeuge für jede Wetter- und Höhenlage zu rüsten.

Article
Supertannini. Scoperta a Bolzano una nuova classe di tannini nel vino

I “supertannini” sono polifenoli ad anello più grossi rispetto a quelli conosciuti finora dagli enologi. Il loro valore consiste nella loro funzione di marcatori dell’autenticità di un vino. In futuro la scoperta dei ricercatori di unibz potrà aiutare la lotta contro le sofisticazioni nel settore enologico.

Article
Polvere di caffè delle vecchie cialde. Scoperto un riutilizzo eco-sostenibile

Molte idee, sul posto di lavoro, maturano nei momenti di socializzazione davanti alla macchinetta del caffè. È successo anche alla Facoltà di Scienze e Tecnologie dove il team di ricerca in Scienze e Tecnologie alimentari, coordinato Matteo Scampicchio, ha realizzato uno studio che punta a ridurre i rifiuti prodotti dall’uso di capsule e cialde. Lo scarto di polvere di caffè viene usato per l’estrazione di antiossidanti e lipidi naturali per l’industria alimentare.

Article
“Creiamo nuovi modelli matematici per capire meglio la disuguaglianza economica”

Un modello dinamico che permette di capire come funzionano lo scambio e la concentrazione di ricchezza in una data società. L’hanno inventato Maria Letizia Bertotti e Giovanni Modanese, rispettivamente matematica e fisico della Facoltà di Scienze e Tecnologie della Libera Università di Bolzano. L’ispirazione e il metodo sono stati forniti dallo studio del comportamento delle particelle dei gas in collisione tra di loro.