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Kuno Prey, Professor an der unibz-Fakultät für Design und Künste, und Thomas Streifeneder, Leiter des EURAC-Instituts für Regionalentwicklung, eint der Wunsch, Handwerk und Landwirtschaft wieder mehr Wert zu geben.

Herr Prey, junge Künstler und Designer besinnen sich wieder auf lokale Inhalte. Wie das?

Kuno Prey: Lokale Inhalte lassen sich einfacher begreifen und bearbeiten, weil sie den Menschen vertrauter sind. Vor allem im neuen Kunsthandwerk greifen Gestalter zunehmend auf unser Kulturgut zurück.

Herr Streifeneder, als Gestalter einer Region gehen Sie ebenfalls von lokalen Bedürfnissen aus, oder?

Thomas Streifeneder: Ich habe mir erst kürzlich in Vorarlberg den Werkraum Bregenzerwald angeschaut, eine Kooperationsplattform von 80 Meisterbetrieben, die ländliche, überlieferte Handwerkskunst neu interpretieren. Und das mit Erfolg. Damit beantworte ich auch Ihre Frage. Ja, als Regionalentwickler beschäftige ich mich zunächst einmal mit lokalen Problemstellungen wie der Krise des Handwerks – dieses kann sich im Alpenraum aufgrund seiner Kleinstrukturiertheit nicht immer in Wert setzen. Prey: Auch Kunsthandwerk mit starkem lokalen Bezug muss sich überregional profilieren, um überleben zu können. Früher ging der Produzent auf Muster- und Handwerksmessen. Heute, im Zeitalter der Globalisierung, ist es komplexer, ein gutes Produkt in der riesigen Angebotsflut richtig darzustellen.

Wie können lokale Produzenten auf dem globalen Markt bestehen?

Streifeneder: Durch professionelle Kooperation zum Beispiel. Siehe die Südtiroler Genossenschaften oder den Fair Trade. Es gelingt aber auch durch fortschrittliche Neuinterpretation beziehungsweise Veredelung, wie es die Bregenzer beispielhaft zeigen. Was landwirtschaftliche Produkte angeht, so beschäftigen wir Forscher uns seit längerem mit dem Thema der Wertschöpfungsketten: Wie können lokale, qualitativ hochwertige und veredelte Südtiroler Produkte vor Ort zum Konsumenten gelangen und sich auch global einen Namen machen? Und hier kommt die Hotellerie ins Spiel… Prey: Da gäbe es in Südtirol, vor allem was Bioprodukte betrifft, ein riesengroßes Potential. Nur kommt uns da die Südtiroler Effizienzmanie in die Quere.

Wie ist das zu verstehen?

Prey: Oft ist es bei uns leider so: Alles soll schnell gehen und möglichst wenig kosten. Köche etwa geben in der Regel ihre Bestellungen übers iPad auf, beim Großanbieter. Der kurze, direkte Weg zum nächsten Biobauern ist zu umständlich. Hier könnten etwa neue, kreative Netzwerke Abhilfe schaffen. Und auch das neue Kunsthandwerk hätte über die Hotellerie die Möglichkeit, auf kürzestem Weg neue Kunden zu erreichen. Streifeneder: Auf Qualität setzende, ressourcenschonende Veredelung, das ist die Zukunft. In der Landwirtschaft und im Handwerk. Es geht um eine dringend nötige ökosoziale Transformation. Die Frage ist, ob die unternehmerischen Strukturen, auch die Genossenschaften, darauf vorbereitet sind und über die nötige Flexibilität verfügen.

Ein Apfel unterliegt von Seiten der EU strenger Normierung. Welchen Normen unterliegt das Gestalterische?

Prey: Im Idealfall jenen der Endnutzer. So liegt es an uns – vor allem an uns Bildungseinrichtungen – zukünftigen Generationen zu vermitteln, was ein guter, ehrlicher Gegenstand, aber auch ein guter Apfel ist. Wenn ein Designerstück nur schön ist, dann kann es auch nach einmaligem Gebrauch als Ramsch auf dem Sperrmüll landen. Im Projekt Tocchiamo la Gestaltung schau ich mir etwa mit Studierenden verschiedene Zahnbürsten an und versuche mit ihnen, gute, ehrliche, von schlechten Zahnbürsten zu unterscheiden. Es geht aber auch um ein Verständnis von Prozessen, und so vermittle ich etwa Studierenden, Pasta-Teig selber herzustellen und sich ihre eigenen Nudeln zu gestalten. So erfahren sie, dass Nudeln nicht nur aus einer verlockend gestalteten Verpackung kommen...

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