Trotz des wachsenden Frauenanteils unter den Studierenden machen nur wenige Frauen an der Universität Karriere. Eine davon ist die Bozner Professorin Tanja Mimmo. Jung, couragiert, erfolgreich.

Gegen Ende ihres Chemiestudiums in Bologna erfüllte sich Tanja Mimmo ihren großen Wunsch, die Diplomarbeit im Ausland zu schreiben. Und stieß dank der Gelegenheit, die sich dafür im US-Landwirtschaftsministerium ergab, auf ihren heutigen Forschungsschwerpunkt Bodenchemie. „Es war totaler Zufall, denn bis dahin hatte ich die analytische Chemie angepeilt. Doch dann habe ich die Faszination für Boden und meine Liebe zur Forschung entdeckt“, erzählt die frischgebackene Professorin der unibz.

Nach dem PhD in Turin und einigen Post-Doc Jahren in Bologna ist Tanja Mimmo 2008 an die damals noch sehr junge Bozner Fakultät für Naturwissenschaften und Technik gewechselt – als Labortechnikerin und als eine der wenigen Frauen. Ihr Drang, weiter zu forschen, war so gross, dass sie sich auf das Risiko eingelassen hat, ihren unbefristeten Vertrag zu kündigen und gegen eine zweimal auf drei Jahre befristete Forscherstelle einzutauschen. Wäre nach diesen sechs Jahren keine Professorenstelle frei gewesen, hätte die junge Wissenschaftlerin die unibz verlassen müssen. „Man muss hart arbeiten, damit man bereit ist, wenn der Zug vorbeifährt. In meinem Fall war es so, der Zug ist im richtigen Moment vorbeigefahren und ich bin aufgesprungen.“

Seit 1. Oktober 2019 ist Tanja Mimmo ordentliche Professorin für Agrarchemie mit den Arbeitsbereichen Bodenchemie und Pflanzenernährung, wobei sie vor allem in der Rhizosphäre forscht, dem Bereich des Erdreichs, der unmittelbar durch Wurzeln und dort lebende Mikroorganismen beeinflusst wird. Die Tatsache, dass Karriereaufbau und Familiengründung meist in derselben Lebensphase stattfinden, kennt auch Tanja Mimmo. Vor drei Jahren ist ein kleiner Mann in ihr Leben getreten, der sie nicht als Frau Professor, sondern als Mama anspricht. „Sobald der Kleine schlaft, wird der PC hochgefahren, um die mit dem Kind verbrachten Stunden nachzuholen, was ich im Endeffekt sehr gerne mache. Eine Herausforderung ist es trotzdem.“

Aber mit ihrem Partner, der sie unterstützt und zeitlich flexibel ist, wenn ein Kongress ansteht, ist ein Familienleben trotz Professur möglich. Auch Bozen als Arbeits- und Lebensmittelpunkt kommt der Wissenschaftlerin und Mutter sehr entgegen, denn Kindergarten, Arbeit und Wohnung sind in Minidistanzen erreichbar. Auch wenn Tanja Mimmo in ihrem spezifischen Bereich fast nur mit Männern arbeitet, stößt sie mit ihrer Doppelrolle als Forscherin und Mutter dennoch auf Verständnis. Prinzipiell ist sie jedoch der Meinung, dass sich die Arbeitskultur im Allgemeinen grundlegend ändern müsste.

In den Arbeitsgruppen ihrer österreichischen und französischen Kollegen sitzen vergleichsweise viele Frauen. Um dort die Doppelbelastung Kinder und Karriere zu erleichtern, finden Meetings beispielsweise ausschließlich vormittags statt. Und es funktioniert. Italien hinkt in dieser Thematik im EU-Vergleich weit hinterher. Tanja Mimmo möchte junge Forscherinnen ermutigen, ihren Zielen und ihrer Berufung auf jeden Fall zu folgen, denn das hat auch sie persönlich genau dorthin gebracht hat, wo sie heute steht – als Professorin und Mutter. Sie war idealistisch, neugierig, wollte unbedingt forschen und sich diese faszinierende Arbeit zum Beruf zu machen. „Das Wichtigste ist der Glaube an sich selbst, denn diesem entspringt dann auch die Courage, Dinge voranzutreiben. Und dafür ist es gelegentlich notwendig, die Ratio auszuschalten und einfach zu riskieren.“

Autorin: Rosmarie Hagleitner

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