© Eurac Research

Eurac Research geht dieser Frage in einer Online-Umfrage erstmals nach und liefert wichtige Daten für die Diskussion und das Wildtiermanagement.

Von den 1.818 Südtirolern, die an der Online-Umfrage von Eurac Research teilnahmen, antworteten über 70 Prozent, dass sie mehr über den Wolf, über sein Verhalten und sein Vorkommen hierzulande wissen möchten. Immerhin geben 43 Prozent der Befragten an, nicht zu wissen, wie viele Wölfe sich derzeit in ihrem Wohngebiet aufhalten. Die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer zieht vorbeugende Schutzmaßnahmen in Form von Zäunen, Herdenschutzhunden oder Hirten einem Abschuss vor. In der Studie haben die Forscher von Eurac Research erstmals die Südtiroler Bevölkerung und Touristen befragt, wie sie – abseits der medialen Berichterstattung – tatsächlich zum Wolf stehen.

Ohne Anspruch repräsentativ zu sein, zeigt die Studie doch Tendenzen auf, die in der Diskussion um die Rückkehr des Wolfes bislang wenig zutage getreten sind. So akzeptiert die Mehrheit der befragten Südtiroler den Wolf im eigenen Wohngebiet und hat keine Angst, sich in Gegenden aufzuhalten, wo Wölfe vorkommen. Neben der Online-Umfrage führten die Wissenschaftler auch 46 persönliche Interviews mit Viehbauern, Jägern und Vertretern des Tourismussektors aus allen Bezirken Südtirols. Anders als die wohlwollend gestimmte Bevölkerung antworteten die interviewten Viehbauern: Emotional und wirtschaftlich direkt durch Viehrisse betroffen, zeigen sie eine negative Einstellung zum Wolf. Dennoch würde die Hälfte von ihnen vorbeugende Schutzmaßnahmen verwenden, wenn sie wirksam eingesetzt werden könnten. Doch gerade an der Wirksamkeit der gängigen Lösungen – etwa von Schutzzäunen – hegen die Viehbauern große Zweifel. In den persönlichen Interviews habe sich auch ein weiterer Punkt gezeigt, der in der Diskussion um den Wolf berücksichtigt werden müsse, wie Julia Stauder, Forscherin von Eurac Research, erklärt: „Die Viehbauern haben den Eindruck, dass sie von der Politik und der breiten Bevölkerung – vor allem jener aus der Stadt – zu wenig Wertschätzung und Unterstützung bei den Herausforderungen erhalten, mit denen sie täglich leben. Dabei führen sie Traditionen weiter, die ihrer Meinung nach die Grundlage für den Tourismus in Südtirol sind.“ Schäden durch den Wolf und Vorschläge für in ihren Augen wenig erprobte Gegenmaßnahmen seien dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe, sagt Stauder. Weniger einheitlich sehen es die Befragten aus dem Tourismussektor: Die Hälfte von ihnen befürchtet negative Auswirkungen auf den Tourismus. Die andere Hälfte sieht in der Rückkehr des Wolfes hingegen eine Chance für eine neue Tourismusnische oder steht ihr neutral gegenüber. Auch die Touristen selbst kommen in der Studie zu Wort. Über eine Umfrageagentur wurden knapp 400 Südtirol-Urlauber aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz befragt. Von ihnen sind sechzig Prozent dem Wolf gegenüber positiv eingestellt, und mehr als die Hälfte zeigt sich an Freizeitaktivitäten rund um das Wildtier interessiert.

Die Umfrage führte das Institut für Regionalentwicklung von Eurac Research im Sommer 2018 durch. Für die Südtiroler Bevölkerung nutzten die Forscher einen Fragebogen, den sie auf die Internetseite von Eurac Research stellten und über Facebook verbreiteten. Die 1.818 gültig ausgefüllten Fragebögen spiegeln in punkto Geschlechterverteilung und Verteilung auf die Gemeinden die aktuelle Bevölkerungsstruktur in Südtirol wider. Nicht repräsentativ ist die Studie, was die Altersverteilung angeht. So sind Südtiroler über 65 und Menschen mit niedrigem Schulabschluss nicht stark vertreten. Nichtsdestotrotz ist die Studie jedoch eine Momentaufnahme, die erstmals eine Grundlage für ein erfolgreiches Wildtiermanagement liefert. „Die Studie ist der erste wissenschaftliche Beitrag zur emotional aufgeheizten Debatte“, erklärt der Studienverantwortliche Filippo Favilli. „Jetzt geht es darum, Aufklärungsarbeit zu leisten und den Austausch aller Interessengruppen voranzutreiben und zu begleiten. Das, sowie die Offenheit für Kompromisse, sind die Basis für ein langfristiges und effizientes Wildtiermanagement.“
Bei der Umfrage wurden die Forscher von Eurac Research durch das Amt für Jagd und Fischerei in Bozen fachlich beraten.

Die komplette Studie kann kostenlos heruntergeladen werden unter:
http://webfolder.eurac.edu/EURAC/Publications/Institutes/mount/regdev/Report_Wolf_BZ_DE.pdf
http://webfolder.eurac.edu/EURAC/Publications/Institutes/mount/regdev/Appendix_Wolf_BZ_DE.pdf

Die Ergebnisse der Online-Umfrage in der Provinz Trient
Die Forscher von Eurac Research haben die Online-Umfrage zum Wolf mit demselben Fragebogen auch mit der Bevölkerung in der Provinz Trient durchgeführt. Die Stichprobe ist mit 657 ausgefüllten Fragebögen kleiner als jene in Südtirol; ebenso sind die Altersgruppe der Menschen über 65 und Personen mit niedrigem Schulabschluss wenig vertreten. Daher erhebt die Studie für Trient nicht den Anspruch der Repräsentativität, zeigt jedoch Tendenzen an, die die Trentiner Bevölkerung in ihrer Einstellung gegenüber dem Wolf hegt und die in der Diskussion um das Wildtier wertvolle Inputs liefern können.
So antworten 74 Prozent der Trentiner, die an der Umfrage teilgenommen haben, dass sie über die Anzahl der Wölfe in ihrem Wohngebiet Bescheid wissen. Die Mehrheit der Befragten ist dem Wolf gegenüber positiv eingestellt, und knapp 90 Prozent möchten mehr Informationen über ihn erhalten. Die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer zieht vorbeugende Schutzmaßnahmen einem Abschuss vor. Fast die Hälfte aller Befragten denkt, dass die Anwesenheit des Wolfes die Grundlage für eine neue Tourismusnische sein könnte.

Unter folgendem Link kann die komplette Studie zur Umfrage im Trentino in italienischer Sprache heruntergeladen werden:
http://webfolder.eurac.edu/EURAC/Publications/Institutes/mount/regdev/Report_Lupo_Trentino.pdf
http://webfolder.eurac.edu/EURAC/Publications/Institutes/mount/regdev/Appendix_Lupo_Trentino.pdf

 

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