Studieren an der Freien Universität Bozen ist auch jenseits von Bachelor, Master oder PhD möglich. Noch nie war das Studium Generale so attraktiv und vielfältig wie im bevorstehenden Studienjahr.

Mit einer Rechtsprofessorin populistische Behauptungen von Euro-Skeptikern zerpflücken und herausfinden, welche Vor- und Nachteile die Europäische Union tatsächlich bringt? Mit einem Informatikprofessor Phänomene wie selbstfahrende Autos, Facebook oder künstliche Intelligenz analysieren und lernen, wie man sich sicher im Netz bewegt? Von einer Didaktikprofessorin mitnehmen, wie man Schüler oder die eigenen Kinder mit Kunst für Mathematik begeistern kann oder vielleicht endlich mal ein wenig Ladinisch, Arabisch oder auch Chinesisch lernen?

All das und noch vieles mehr kann jede und jeder Interessierte im neuen Studienjahr an der Freien Universität Bozen machen. Bereits seit dem Jahr 2011 öffnet sich die Universität mit dem Studium Generale auch Menschen, die keinen herkömmlichen Studiengang absolvieren, sondern ihr Wissen über interdisziplinäre und öffentlich zugängliche Lehrveranstaltungen erweitern wollen. Ein Modell, das seine Wurzeln im deutschen Sprachraum hat und im Zeitalter des Lebenslangen Lernens Gasthörer aller Altersklassen in Hörsäle lockt. An der unibz hat man dabei seit jeher ein Alleinstellungsmerkmal: Denn nur hier können für besuchte Lehrveranstaltungen des Studium Generale auch Kreditpunkte erworben und für mögliche spätere Studiengänge im In- und Ausland angerechnet werden.

Noch nie bot die „Uni für jedermann“ dafür so vielfältige und interessante Möglichkeiten wie im Studienjahr 2018/19, in dem das Angebot nicht nur erweitert, sondern auch neu strukturiert wurde. „Uns war es wichtig, mit dem Studium Generale noch stärker die Aktivitäten der einzelnen Fakultäten abzubilden“, sagt die Prorektorin für Lehre Stefania Baroncelli, die das Lehrangebot gemeinsam mit Stepfanie Risse und Matteo Scampicchio konzipiert hatte. In diesem Sinne wurden die Lehrveranstaltungen heuer in vier große Themenblöcke gruppiert. Besonders breit ist das Angebot im Bereich „Technology and Business“, in den Know-how von den Fakultäten für Wirtschaftswissenschaften, Informatik sowie Naturwissenschaften und Technik einfließt. Zu praxisnahen Themen wie Unternehmensgründung, Management von Familienbetrieben oder der wirtschaftlichen Betrachtung des Weinbusiness, technologieaffinen Wissensbereichen wie Mikrobiologie und Lebensmitteltechnologie oder Bionik und bio-inspirierter Robotik oder auch zu Angeboten wie dem Schutz von Innovationen oder Methodologien der quantitativen Recherche. Passend zu solchen Themen ist auch das Ambiente, in dem einige dieser Lehrveranstaltungen abgehalten werden: Mit dem neuen Studienjahr wird ein Teil des Studium Generale in den NOI Techpark in Bozen verlegt. 

Eine Vorlesung vom Studium Generale.

Eine ganz andere Zielgruppe spricht der Themenblock „Parenting, Parents and Families“ an. Hier können Pädagoginnen, Eltern und andere Interessierte die Gebärdensprache lernen, Strategie - oder Logikspiele kennenlernen oder Lernmaterialien und Lernspiele entwickeln und erproben. Immer noch zu wenig berücksichtigte Zusammenhänge zeigt eine Lehrveranstaltung zum Einfluss der Architektur von Schulgebäuden auf das Lernen auf. Im Themenblock „Creativity and Culture“ werden dagegen die emotionale Intelligenz oder die Auswirkungen des sozialen Umfeldes auf die Gesundheit und ethisch-philosophische Themen wie Menschenrechte oder „Dichtung und Menschenwürde“ näher beleuchtet. Musikbegeisterte können ihre Leidenschaft darüber hinaus im Unichor ausleben.

Traditioneller Bestandteil des Studium Generale sind Sprachen. Ob in Form der Unterrichtssprachen, die gemäß dem dreisprachigen Profil der Universität ebenfalls auf Deutsch, Italienisch oder Englisch abgehalten werden kann, oder der Möglichkeit, neue Sprachen zu erlernen. Mit der Reform des Lehrangebots kann man sich nun im Themenblock „Languages and Communication“ nicht nur in Fremdsprachen wie Arabisch, Russisch, Chinesisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Ladinisch, sondern auch in der Kommunikation üben. Sei es in der hochaktuellen Thematik der Interkulturellen Kommunikation, die durch ein Lehrangebot zur interkulturellen Philosophie ergänzt wird, sei es mit visuellen Kommunikationstechniken.

Obwohl im Rahmen des Studium Generale auch reguläre Lehrveranstaltungen besucht werden können, ist der Großteil des Angebots für dieses Format maßgeschneidert. Und wie Stefania Baroncelli unterstreicht, werden die Zusatzveranstaltungen vom Lehr- und Forschungspersonal der Universität auf eigene Initiative und ohne zusätzliche Entlohnung angeboten. „Das Schöne am Studium Generale ist, dass man hier weniger inhaltliche Zwänge durch den Lehrplan hat und wirklich das weitergeben kann, was einem persönlich besonders wichtig ist“, sagt die Professorin für öffentliches Recht, die selbst eine Lehrveranstaltung hält.

Offen steht das Studium Generale allen Alters- und Bildungsklassen. An eine Matura gebunden ist es nur für all jene, die Prüfungen ablegen und die entsprechenden Kreditpunkte sammeln wollen. In diesem Fall ist eine Inskription samt Studiengebühr von 450 Euro erforderlich, in deren Rahmen sich die Studierenden in einem Zeitraum von bis zu drei Jahren aus den angebotenen Lehrveranstaltungen ein individuelles Lehrprogramm zusammenstellen und bis zu 30 Kreditpunkte sammeln können. „Es gibt Menschen, die immer studieren wollten, aber nie die Chance dazu hatten,“, sagt Stefania Baroncelli. „Andere wollen sondieren, ob sie noch einmal ein Studium beginnen oder suchen Inputs, um sich beruflich neu zu orientieren. Und dann gibt es viele, die einfach Lust darauf haben, ihr Wissen zu erweitern oder auch ihr Familienleben durch neue pädagogische Werkzeuge bereichern wollen.“ Motivationsgründe für ein Studium Generale gibt es also viele. Wer sie umsetzen will - die Einschreibungen sind vom 3. bis 21. September (Wintersemester) und vom 4. bis 15. Februar (Sommersemester) über das Bewerbungsportal der unibz möglich. Das aktuelle Studienprogramm findet sich hier.

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