Die Elektrotechnikerin Luisa Petti forscht erfolgreich an der Zukunftstechnologie flexible Elektronik – und ist Mutter von zwei kleinen Töchtern. Wie geht das alles zusammen?

Luisa Petti ist ein ideales Beispiel, um Geschlechterstereotype zu widerlegen. Frauen sind schwierig für Technik begeistern? Die Forscherin an der Freien Universität Bozen hat bereits als Mädchen weit lieber mit Lego und Meccano gebaut als mit Puppen gespielt – um sich schließlich mit Elektrotechnik ein Studium zu suchen, das „möglichst viel Mathematik und Physik“ beinhaltet. Familiengründung kommt in männerdominierten Branchen noch mehr einem beruflichen Knock-out gleich als in anderen Berufszweigen? Die Mutter von zwei kleinen Töchtern war Anfang Dezember in San Francisco, um auf einer der weltweit wichtigsten Konferenzen für Elektronik und Technologie, den IEEE EDS Early Career Award zu erhalten, eine Auszeichnung für besonders exzellente Leistungen von jungen Forschenden im Bereich von elektronischen Bauelementen.

Einen Überblick über den rasanten wie gelungen Karrierestart der 32-jährigen Wissenschaftlerin gibt bereits ihr Lebenslauf: begonnen bei der Ausbildung an zwei renommierten technischen Universitäten, dem Politecnico di Milano und der ETH Zürich, über berufliche Erfahrungen im Headquarter von Apple und zwei Forschungsfirmen in Cambridge bis hin zu einer beachtlichen Publikationsliste. Darunter eine gut 60-seitige Veröffentlichung in der Applied Physics Review, in der die Elektrotechnikerin gemeinsam mit Co-Autoren kurz vor und nach der Geburt ihrer ersten Tochter einen Überblick über den Forschungsstand zum Einsatz von Metalloxid-Halbleitern für flexible Elektronik verfasste. „Dieser Artikel wurde seit 2016 bereits mehr als 200 Mal zitiert und bis heute werde ich deswegen aus aller Welt kontaktiert“, erzählt Luisa Petti. Umso willkommener war die Elektrotechnikerin an der Freien Universität Bozen, wo sie 2018 kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes engagiert wurde – und nun seit März neben ihrer Lehre maßgeblich am Aufbau des Sensing Technologies Lab mitarbeitet, wo an Technologien für gedruckte Sensoren und andere elektronische Komponenten geforscht wird. Ein Technologiezweig, in den große Hoffnungen gesetzt werden. Denn der Druck leitfähiger und halbleitender Kunststoffe auf verschiedenste Materialien wie Plastikfolien, Papier oder Textilien erlaubt die Herstellung von kostengünstigen sowie extrem dünnen und flexibel einsetzbaren elektronischen Komponenten, die für innovative Produkte wie intelligente Textilien, flexible Displays oder Solarzellen benötigt werden.

Wie aber landet man, und erst recht Frau, mitten in diesem boomenden wie gefragten Forschungsfeld? Wie immer beinhaltet das Erfolgsrezept auch bei Luisa Petti verschiedene Faktoren. Begabung und Interesse, Persönlichkeitsmerkmale wie Ehrgeiz und Selbstvertrauen, eine exzellente Ausbildung und natürlich eine Portion Glück. Allen voran das Glück, Menschen um sich zu haben oder zu treffen, die sie gefördert und motiviert haben. Begonnen bei ihren Eltern, einer Universitätsprofessorin in Salerno und einem Ingenieur, dank dessen Job am Europäischen Patentamt in München Luisa ihre ersten 13 Lebensjahre in Deutschland verbrachte und so zweisprachig aufwuchs. Dass es später vor allem Männer waren, die sie auf ihrem Weg unterstützten, ist in einer Branche wie der Elektrotechnik wenig überraschend. „Schon während meines Bachelors gab es in der Jahrgangsgruppe meines Studienzweigs nur drei Frauen“, sagt die Wissenschaftlerin. Am falschen Platz oder benachteiligt fühlte sich die junge Italienerin zwischen all ihre Kommilitonen und Professoren aber deswegen nicht. „Ich hatte beim Studium und auch danach immer wieder Kollegen, mit denen ich wunderbar zusammenarbeiten konnte“, sagt Petti.

Die ETH in Zürich (Bildauthor: Roland Fischer - Roland zh)

Ein besonderer Glücksfall war in dieser Hinsicht ihr Doktorvater an der ETH Zürich, Prof. Gerhard Tröster. „Er war einer der Pioniere im Bereich Smart Textiles, also dem Einweben von elektronischen Bauteilen in Textilien“, erzählt Petti. Dass sie in ihren PhD, für den sie mit der ETH-Medaille für hervorragende Doktorarbeiten ausgezeichnet wurde, in seiner Forschungsgruppe für flexible Elektronik machen konnte, war ein wichtiges berufliches Sprungbrett. Nicht zuletzt, weil der Professor seiner Doktorandin die Chance gab, sich auf mehreren renommierten internationalen Konferenzen mit Vorträgen zu profilieren und schnell ein großes Network aufzubauen. Einer der vielen Kontakte aus dieser Zeit ermöglichte ihr einen halbjährigen Forschungsaufenthalt am renommierten Londoner Imperial College. Während sie dort für ihre Doktorarbeit mit neuen Materialien experimentierte, wurde sie von einem Headhunter von Apple gespottet. Der bot der jungen Italienerin zunächst eine dreimonatige Internship in der Konzernzentrale in Silicon Valley an, wo man ihr schließlich das Angebot für einen fixen Job machte. Zum blanken Erstaunen des Apple-Personalbüros lehnte sie ab und ging stattdessen nach Zürich zurück, um dort vor Abschluss ihres PhD an der ETH im Jahr 2016 ein weiteres großes Projekt zu starten – und Mutter einer kleinen Tochter zu werden.

In den drei Jahren, die seitdem vergangen sind, folgten zwei Jobs in Cambridge, ein weiteres Kind, und schließlich die Stelle an der Freien Universität Bozen. Hier helfen nicht zuletzt die kurzen Distanzen einer Kleinstadt, das Leben mit Kleinkindern und eine akademische Karriere unter einen Hut zu bekommen. “Zumindest halbwegs”, sagt die junge Mutter. „Denn hier haben wir unsere Arbeitsstelle, Wohnung, Kindergarten und Tagesmutter alles im Umkreis von 500 Metern”. Ganz anders als bei ihrem ersten Job in Cambridge, den die junge Mutter nach einem Jahr gekündigt hatte.

„Es war ein super-interessanter Job, doch ich hatte eine lange Anfahrt und vor allem wollte man mir dort nicht einmal eine minimale Flexibilität zugestehen.” Auch mit mehr Flexibilität, einem Partner, der ihr bei der Familienarbeit und selbst bei den häufigen Änderungen ihres Terminplans die Stange hält, sowie Verwandten, die immer wieder einspringen, ist der tägliche Druck groß. Gerade vier Monate war sie bei beiden Töchtern in Mutterschaftszeit. „Und emotional hatte ich auch in dieser Zeit fast ein schlechtes Gewissen, mein Team alleinzulassen“, so Petti. Umso mehr Pensum absolviert sie jetzt: Konferenzen im Ausland, ihre Lehre, Projekte, Supervision, Meetings – und kaum mal ein Abend, an dem sie nicht auch zu Hause noch arbeitet. Eine wissenschaftliche Karriere in einem männerdominierten Bereich ist auch für Mütter möglich, beweist die Elektrotechnikerin. Doch sie fordert einen extrem hohen Einsatz. Dieses typisch weibliche Problem kann selbst Luisa Petti nicht widerlegen.

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