Die Bozner Professorin Tanja Mimmo analysiert das dynamische Treiben rund um Pflanzenwurzeln. Und liefert dabei auch Südtirols Landwirten wertvolle Erkenntnisse.

Lange Zeit spielte der oberste Teil der Erdkruste im Leben von Tanja Mimmo eine ähnlich nebensächliche Rolle wie bei den meisten ihrer Mitmenschen. Dann jedoch setzte sich die damalige Chemiestudentin in Bologna in den Kopf, ihre Diplomarbeit im Ausland zu schreiben. „Ich hätte ein Projekt beim US-Ministerium für Landwirtschaft“, erklärte ihr der Uni-Professor, an den sie sich damals wandte. „Doch dann müssen Sie sich mit Böden beschäftigen.“ 18 Jahre später ist der Boden für die Professorin an der Fakultät für Naturwissenschaften längst zu ihrem beruflichen Universum geworden – das sie nach wie vor immer wieder aufs Neue fasziniert. Vor allem, wenn es um ihr Spezialgebiet Rhizosphäre geht. Also jenen Teil des Erdreichs, der unmittelbar durch eine lebende Wurzel beeinflusst wird. „Dort geht es extrem aktiv und dynamisch zu“, sagt die Boznerin.

Ihre Expertise bei der Beobachtung und Analyse dieser Dynamiken setzt Tanja Mimmo bei zahlreichen Forschungsprojekten in den Bereichen Bodenchemie, Pflanzenernährung und Pflanzenphysiologie ein, den Schwerpunkten der Arbeitsgruppe Agrarchemie an ihrer Fakultät. Roter Faden sind dabei vor allem die Nährstoffe Eisen und Phosphor, deren Konzentration und Spuren durch das Erdreich die Wissenschaftler verfolgen. „Eisen ist zwar das vierthäufigste Element auf der Erde, doch für die meisten Pflanzen so gut wie nicht verfügbar, weil es im Boden nicht mobil ist“, erklärt sie. Einige wenige Pflanzen seien allerdings sehr effizient darin, das Element dennoch zu mobilisieren. Wie genau ihnen das gelingt und wie dieser Mechanismus – beispielsweise in Mischkulturen – auch anderen Pflanzen zugute kommen könnte, ist einer ihrer Forschungsgegenstände.   

Tanja Mimmos Know How in diesem Bereich kommt auch lokalen Wirtschaftstreibenden zugute. Aktuell der Biogas Wipptal im Rahmen des LIFE OPTIMAL Projektes, die das Gülle-Problem rund um Sterzing durch eine Umwandlung der Gülle in Strom und Wärme sowie einen pelletierten Dünger löst, der aus dem fermentierten Gärmaterial hergestellt wird. Die Idee dahinter? Stickstoffemissionen in Atmosphäre und Grundwasser und eine Geruchsbelästigung der Anrainer zu vermeiden und den Bauern neben Energie einen geruchslosen und in jeder Hinsicht unbedenklicher Dünger zur Verfügung zu stellen. Doch enthält das innovative Produkt auch wirklich die Nährstoffe, die ihre Wiesen brauchen? Und inwiefern unterscheidet sich seine Wirkung von jener der fermentierten Gärreste, die gewöhnlich das Endprodukt solcher Biogas- Anlagen sind? Das sind die Fragestellungen, an denen die Forscherin seit gut einem Jahr arbeitet. Einerseits im Feldversuch in den Weinpergeln des Freisingerhofs, anderseits in Topfversuchen in der Klimakammer der Uni Bozen, wo die Agrarchemikerin die Wirkung des Düngers an Modellpflanzen wie Mais und Gurken und einer Wechselwiese testet.

Noch liegen die Endergebnisse nicht vor. Doch eine Verbesserung lässt sich in jedem Fall absehen, verrät die Wissenschaftlerin. Sicher sei auch, dass der Dünger durch die Pelettierung einen viel längerfristigen Effekt hat als frische Gülle oder Gärreste. „Dadurch werden die Nährstoffe an die Pflanzen nicht unmittelbar bei der Düngung, sondern über einen längeren Zeitraum hin abgeben“, sagt Tanja Mimmo.

Interessant für Südtirols Landwirte sind gerade angesichts des aktuellen Bio-Booms auch ihre Untersuchungen zu Kupfer. In diesem Bereich kooperiert ihre Arbeitsgruppe mit der Federal University of Santa Maria in Brasilien, wo die Behandlung mit Kupfer im Gegensatz zu Südtirol ein großes Problem darstellt. „Bei uns beeinträchtigt Kupfer die Pflanzen aufgrund unserer Bodenbeschaffung bislang kaum“, erklärt Mimmo. In Brasilien, wo die Böden sauer seien, hätte dagegen vor allem die Weinwirtschaft riesige Probleme mit den Nebenwirkungen des Kupfereinsatzes. Eine mögliche Lösung könnten aktuelle Tests der beiden Unis mit einer Mischkultur von Weinreben und Gräsern wie Hafer bringen.

„Wir haben gesehen, dass es den Weinreben effektiv besser geht, wenn sie zusammen mit Hafer wachsen“, sagt die Forscherin. Ob dies damit zusammenhängt, dass der Hafer Kupfer in der Rhizosphäre stabilisiert oder ihn vielmehr akkumuliert, muss noch genauer untersucht werden. Es ist aber keineswegs auszuschließen, dass irgendwann auch in Südtirols Weinbergen Hafer wachsen könnte. „Denn die Bodenstruktur kann sich schnell ändern“, sagt Tanja Mimmo. „Und vor allem bei Neupflanzungen beeinträchtigt Kupfer die Pflanzen heute schon, weil er sich hauptsächlich im Oberboden konzentriert.“

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