Noch vor zwei Generationen war die Kunde um Heilkräuter ein weit geschätztes Gut in der Region, doch sowohl das Wissen als auch die Zahl der Heilkräuter nehmen ab. Nun wurde im „Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine“ eine Studie zu traditionellen medizinischen Pflanzen in Südtirol mit Fokus auf Biodiversität und die Anwendung von Heilpflanzen veröffentlicht.

Weltweit zählen Bergregionen zu den Hotspots für pharmazeutisch relevante Pflanzen, schicken die vier Autoren der interdisziplinären Studie voraus, von denen mit Joshua Petelka, Dr. Barbara Plagg und Prof. Stefan Zerbe drei an der unibz tätig sind. Südtirol verfüge noch über eine relativ hohe Biodiversität, und in der Bevölkerung finden Heilkräuter weithin ihre Anwendung in Tees, Salben und selbstgemachten Hausmitteln.

„Uns ging es um die Katalogisierung von pharmazeutisch interessanten Nutzpflanzen, eine Bewertung der kulturellen Schlüsselarten, die Erfassung gefährdeter Arten und damit auch um die Unterstützung des Kultur- und Naturschutzes in Südtirol“, erläutert Stefan Zerbe, Professor für Botanik und Landschaftsökologie an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik. „Insgesamt konnten wir 276 Arten inventarisieren, darunter drei Pilze und drei Flechtenarten.“

Eingebettet in das von Prof. Zerbe in Südtirol initiierte Forschungsnetzwerk Umwelt und Gesundheit (TER) war es Ziel der Studie, einerseits das vorhandene traditionelle Wissen über wildwachsende Heilpflanzen zu erfassen und andererseits das Potenzial für den Arten-, Biotop- und Kulturschutz aufzuzeigen. In Südtirol selbst findet sich in der Literatur wie auch in den im Rahmen der Studie geführten Interviews zu vielen Pflanzen noch ein sehr ausgeprägtes Wissen, allen voran zu Johanniskraut, Brennnessel oder Spitzwegerich. „Diese drei Arten sind weitläufig bekannt“, so Zerbe, „und 40% der 276 erfassten Arten werden auch gerne noch genutzt. Für die meisten dieser Arten gibt es auch einen Beleg ihres Heilnutzens durch moderne pharmakologische und medizinische Studien. In Südtirol werden noch 12% der Pflanzenarten für vielfältige Zwecke genutzt, mehr als in anderen Regionen Europas.“ Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch auf, wie gefährdet viele dieser traditionellen Heilpflanzen sind, denn 85 von den 276 stehen bereits auf der roten Liste und sind damit in ihrem Bestand gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht.

Der interdisziplinäre Charakter der Studie spiegelt sich in den natur- sowie gesundheitswissenschaftlichen Aspekten wider. So wurden auch die medizinischen Indikationen erfasst, d.h. bei welchen Leiden die Heilpflanzen zum Einsatz kommen, so beispielsweise bei Muskel-, Herz- oder Frauenleiden, Harnwegs-, Atemwegs- oder Augenerkrankungen und Haut- oder Verdauungsproblemen. Neben der Verwendung als Nahrungs- oder Gewürzmittel, für kosmetische Zwecke oder in der Tierzucht werden manche der Pflanzen auch für spirituelle Zwecke genutzt, so z.B. die Äste der Birke. Mit dem Forschungsprojekt konnte auch die internationale Kooperation der Südtiroler Arbeitsgruppe Landschaftsökologie ausgebaut werden, wie in diesem Fall mit der Berliner Humboldt Universität.

Studie „Traditional medicinal plants in South Tyrol (northern Italy, southern Alps): biodiversity and use”, erschienen 2020 im “Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine”. Autoren: Joshua Petelka, Barbara Plagg, Ina Säumel, Stefan Zerbe.

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